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Handwerker-Stundensätze im Ruhrgebiet: Was acht Gewerke wirklich kosten

Von Roland Hentschel, Betreiber des Ruhrverzeichnis, Herne · veröffentlicht am 12.08.2026, aktualisiert am 13.08.2026, Zahlen zuletzt geprüft am 12.08.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Privatkunden zahlen im Ruhrgebiet je nach Gewerk 30 bis 137 Euro pro Stunde. Die Spanne ist so breit, weil ein Gartenpflegeeinsatz und die Arbeit eines Heizungsbauers wenig miteinander zu tun haben.
  • Am unteren Rand stehen Gebäudereinigung und Gartenpflege ab 30 Euro, am oberen Sanitär und Heizung mit 95 bis 137 Euro.
  • Dazwischen: Elektrofachbetrieb 54 bis 101 Euro, Dachdecker und Malermeister je 65 bis 89 Euro, freie Kfz-Werkstatt 85 bis 120 Euro.

Alle Zahlen sind Bruttopreise. Viele Preisvergleiche rechnen netto und wirken damit rund ein Fünftel niedriger, als die Rechnung am Ende ausfällt.

Stundensätze nach Gewerk

Die meisten Erhebungen gelten bundesweit. Wo eine Zahl ausdrücklich für Nordrhein-Westfalen erhoben wurde, ist sie für das Ruhrgebiet belastbarer als der Bundeswert.

Alle Beträge brutto, also inklusive Mehrwertsteuer. Gebiet: "Bund" heißt bundesweit erhoben, "NRW" ausdrücklich für Nordrhein-Westfalen.
GewerkEuro je StundeGebiet
Elektrofachbetrieb54 bis 101Bund
Sanitär und Heizung95 bis 137NRW
Dachdecker, Meisterbetrieb65 bis 89Bund
Malermeister65 bis 89Bund
Freie Kfz-Werkstatt85 bis 120NRW
Gartenpflege30 bis 55Bund
Landschaftsgärtner, Bauleistungen40 bis 80Bund
Gebäudereinigung30 bis 48Bund

Wo das Ruhrgebiet in diesen Spannen liegt

Realistisch ist für Herne und das Revier das untere bis mittlere Drittel der genannten Spannen. Das ist keine Vermutung, sondern folgt aus den ausgewerteten Erhebungen: Sie weisen den Ballungsraumaufschlag von 15 bis 25 Prozent übereinstimmend für München, Hamburg, Frankfurt und Stuttgart aus. Das Ruhrgebiet gehört nicht in diese Gruppe.

Zwei Gründe sprechen für den unteren Bereich: eine hohe Betriebsdichte im Handwerk und damit starker Wettbewerb, dazu eine Kaufkraft unter dem Bundesschnitt. Gleichzeitig ist das Revier kein ländlicher Raum, für den dieselben Quellen 10 bis 20 Prozent unter dem Durchschnitt nennen. Herne liegt dazwischen, näher am Bundesdurchschnitt als darunter.

Warum Stundensatz und Monteurgehalt nicht dasselbe sind

Wer nach Stundenlöhnen im Handwerk sucht, landet häufig bei Gehaltsangaben für angestellte Fachkräfte. Das sind zwei verschiedene Zahlen. Der Stundensatz auf Ihrer Rechnung enthält neben dem Lohn auch Lohnnebenkosten, Fahrzeug, Werkzeug, Versicherung, Ausbildung, Verwaltung und die Zeit, in der niemand einen Auftrag hat.

Deshalb liegt der Verrechnungssatz eines Betriebs regelmäßig beim Zwei- bis Dreifachen dessen, was die Fachkraft als Stundenlohn bekommt. Ein hoher Stundensatz sagt für sich genommen nichts darüber aus, was der Monteur verdient.

Was den Preis im Einzelfall verschiebt

Drei Dinge bewegen den Endbetrag stärker als der Stundensatz selbst: die Anfahrt, die als Pauschale oder nach Kilometern berechnet wird, Zuschläge für Notdienst, Abend und Wochenende, und der Materialanteil, der bei manchen Arbeiten den Löwenanteil ausmacht.

Ein Angebot mit niedrigem Stundensatz und hoher Anfahrtspauschale kann teurer sein als das umgekehrte. Vergleichen lässt sich deshalb nur die Endsumme für dieselbe Leistung, nicht der Stundensatz allein.

Wenn der Kostenvoranschlag überschritten wird

Ein Kostenvoranschlag ist keine Preisgarantie. Paragraf 650 BGB nennt bewusst keine feste Grenze: Überschritten werden darf er, aber nur bis zur Grenze der "wesentlichen Überschreitung". Rechtsprechung und Literatur nennen dafür meist 15 bis 20 Prozent, je nach Umfang und Komplexität der Arbeit auch etwas mehr. Eine starre Prozentzahl gibt es nicht, entschieden wird im Einzelfall.

Wichtiger als die Prozentzahl ist die Pflicht, die daraus folgt: Zeichnet sich eine wesentliche Überschreitung ab, muss der Betrieb Sie unverzüglich informieren, also sobald er es erkennt und nicht erst mit der Rechnung. Kündigen Sie den Vertrag daraufhin, bekommt er nur die bereits erbrachte Leistung vergütet, nicht den vollen Preis.

Wenn Sie Sicherheit wollen, vereinbaren Sie statt eines Kostenvoranschlags einen Festpreis. Der bindet den Betrieb, kostet aber in der Regel einen Aufschlag, weil er das Risiko der Fehlkalkulation trägt.

Ohne Rechnung: warum sich das für den Auftraggeber nicht rechnet

Die Frage nach dem Preis "ohne Rechnung" gehört zu den meistgestellten rund um Handwerkerkosten. Die kurze Antwort: Der Rabatt ist real, das Risiko trägt aber überwiegend der Auftraggeber, nicht der Betrieb.

Wer eine Handwerkerleistung ohne Rechnung beauftragt, handelt ordnungswidrig. Der Zoll nennt für private Auftraggeber einen Bußgeldrahmen bis 50.000 Euro. Die gelegentlich genannten 500.000 Euro betreffen andere, meist gewerbliche Konstellationen.

Schwerer wiegt der zivilrechtliche Teil. Bei einer Schwarzgeldabrede ist der Vertrag nichtig: Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass daraus keine Gewährleistungsansprüche entstehen (VII ZR 6/13). Ist die Arbeit mangelhaft, gibt es also niemanden, der nachbessern muss. Und bereits gezahltes Geld lässt sich auch dann nicht zurückfordern, wenn nichts davon funktioniert (VII ZR 216/14).

Dazu kommt der steuerliche Teil: Ohne Rechnung entfällt die Steuerermäßigung nach Paragraf 35a EStG, die im nächsten Abschnitt steht. Und die Rechnung selbst müssen Privatpersonen nach Paragraf 14b UStG zwei Jahre aufbewahren.

Was Sie von der Steuer zurückbekommen

Zwanzig Prozent der Arbeitskosten, höchstens 1.200 Euro im Jahr. Das ist die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen nach Paragraf 35a Absatz 3 EStG, und sie wird direkt von der Steuerschuld abgezogen, nicht vom zu versteuernden Einkommen. Sie gilt für den selbst genutzten Haushalt, und zwar auch für Mieter.

Entscheidend ist die Aufteilung auf der Rechnung. Begünstigt sind Arbeitskosten und regelmäßig auch Fahrtkosten, Maschinenkosten und Verbrauchsmittel, soweit sie als Arbeitsleistung abgerechnet werden. Nicht begünstigt ist das Material. Bitten Sie den Betrieb deshalb, beides getrennt auszuweisen, sonst schätzt das Finanzamt nicht zu Ihren Gunsten.

Zwei Voraussetzungen sind hart: Es braucht eine Rechnung, und sie muss unbar bezahlt werden, also überwiesen. Barzahlung erkennt das Finanzamt auch mit Quittung nicht an.

Steuerermäßigung nach Paragraf 35a Absatz 3 EStG: 20 Prozent der begünstigten Kosten, höchstens 1.200 Euro im Jahr.
RechnungspositionSteuerlich begünstigt
Arbeitszeit vor Ortja
Anfahrt und Fahrtkostenja
Maschinen- und Gerätekostenja
Verbrauchsmittel, als Arbeitsleistung abgerechnetja
Material und gelieferte Warenein

Wie Sie ein Angebot einordnen

Fragen Sie nach einer schriftlichen Aufstellung, in der Arbeitszeit, Anfahrt und Material getrennt stehen. Liegt der Stundensatz deutlich über der oberen Grenze in der Tabelle, ist das nicht automatisch überteuert, sollte aber begründet sein, etwa durch Notdienst oder eine Spezialqualifikation.

Liegt er deutlich darunter, lohnt die Frage, was nicht enthalten ist. Betriebe, die dauerhaft unter ihren Kosten anbieten, gibt es nicht lange.

Häufige Fragen

Wie viel kostet ein Handwerker pro Stunde?

Je nach Gewerk 30 bis 137 Euro brutto. Am unteren Rand liegen Gebäudereinigung und Gartenpflege ab 30 Euro, am oberen Sanitär und Heizung mit 95 bis 137 Euro. Elektro liegt bei 54 bis 101 Euro, Dachdecker und Maler bei 65 bis 89 Euro. Alle Werte inklusive Mehrwertsteuer, Stand Juli 2026.

Was kostet eine Handwerkerstunde schwarz?

Diese Rechnung geht für den Auftraggeber selten auf. Wer eine Handwerkerleistung ohne Rechnung beauftragt, handelt ordnungswidrig; der Zoll nennt für private Auftraggeber einen Bußgeldrahmen bis 50.000 Euro. Dazu kommt: Bei einer Schwarzgeldabrede besteht kein Gewährleistungsanspruch (Bundesgerichtshof, VII ZR 6/13), und bereits gezahltes Geld lässt sich auch bei mangelhafter Arbeit nicht zurückfordern (VII ZR 216/14). Die Steuerermäßigung nach Paragraf 35a EStG entfällt ebenfalls, weil sie eine Rechnung und eine unbare Zahlung voraussetzt.

Was ist ein guter Stundenlohn für Handwerker?

Das hängt daran, wer fragt. Für den Kunden ist ein Satz angemessen, der in der Spanne seines Gewerks liegt und die Leistung erkennbar abdeckt; deutlich darunter ist ein Grund nachzufragen, was fehlt. Für die Fachkraft ist der Vergleichswert der Tariflohn ihres Gewerks, nicht der Betrag auf der Kundenrechnung.

Was verdient ein selbständiger Handwerker pro Stunde?

Deutlich weniger als sein Stundensatz. Vom Verrechnungssatz gehen Lohnnebenkosten, Fahrzeug, Werkzeug, Versicherung, Verwaltung und Weiterbildung ab, dazu alle Zeiten, die niemand bezahlt: Urlaub, Krankheit, Fahrten, Angebote schreiben, Baustellen organisieren. Was am Ende bleibt, ist ein Bruchteil des Betrags auf der Rechnung.

Quellen

Preise im Einzelnen

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Über den Autor

Roland Hentschel

Betreiber des Ruhrverzeichnis, Herne

Ich betreibe das Ruhrverzeichnis aus Herne und spreche für das Portal regelmäßig mit Betrieben aus dem Revier über ihre Preise. Die Zahlen in diesem Artikel stammen nicht von mir, sondern aus veröffentlichten Preiserhebungen; meine Aufgabe war es, sie zusammenzutragen, auf Brutto zu vereinheitlichen und einzuordnen.

Beim Entwurf dieses Textes wurden KI-Werkzeuge eingesetzt. Geprüft, überarbeitet und verantwortet wurde er von Roland Hentschel. Wo wir KI einsetzen

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